Interview mit Christine Schneider
Eine eindrucksvolle Reise und eine lebensverändernde Diagnose führten die Künstlerin zu ihrer Leidenschaft, der Malerei. Ihre minimalistisch-spirituellen Werke laden Betrachter ein, Ruhe und Verbundenheit mit der Natur zu finden.

Verfasst von

Redaktion

Wann wussten Sie, dass Sie Künstler werden wollen?

Mich hat eine Reise, die ich mit 17 Jahren mit Freunden nach Spanien gemacht habe, hat mich sehr beeindruckt. Wir mussten aufgrund überfüllter Straßen nachts durch die Pyrenäen fahren und kamen morgens früh in dem verschlafenen Fischerörtchen Cadaques an. Dieses kleine Dörfchen hat damals nicht nur internationale Maler, wie Chagall, Picasso und Dali inspiriert, sondern auch mich! Ich habe es danach noch einmal besucht und die zahlreichen Museen und Kunstgalerien besucht. Das hat mich nicht mehr losgelassen. Ich meldete mich in einer Kunstschule an, in der ich erste Berührungen mit der Kunst hatte. Als ich dann vor 23 Jahren die Diagnose „unheilbar krank“ erhielt, war das der Zeitpunkt, an dem ich definitiv wusste, dass ich mein Leben ändern musste. Die Zeit genießen und tun, was dir wirklich wichtig ist. Es dauerte trotzdem noch einmal einige Jahre, bis ich wirklich den Mut fand, meinen Weg zu gehen, meinen Träumen zu folgen und mich meiner Leidenschaft, dem Malen, ganz zu widmen.

(Foto: Caro Simon)

Welcher ist Ihr, noch lebender, Lieblingskünstler?

Ich habe keinen bestimmten Lieblingskünstler. Ich schaue mir gerne Kunst verschiedenster Stilrichtungen an, und lasse mich gerne auch mal inspirieren. Aber im Grunde habe ich im Laufe der Zeit meinen ganz eigenen Stil entwickelt, durch entsprechende Weiterbildung, Beobachtung und Experimentierfreude. Das Meiste habe ich mir selbst beigebracht und genau das ist es, was mich immer wieder antreibt.

"Meine Kunstwerke sind Pforten zu einer anderen Welt. Eine Reise durch Minimalismus, Natur und Spiritualität. In dieser Welt ist die Reduktion mehr als eine künstlerische Technik, sie reflektiert meine Auffassung vom Leben und der Kunst."

Was möchten Sie mit Ihrer Arbeit beim Betrachter hervorrufen?

Meine Werke sind eine Symbiose aus Minimalismus, Natur und Spiritualität. Sie sind Pforten zu einer anderen Welt, in der jede Nuance, Farbe oder Struktur die Essenz der Natur zelebriert. Wo die Reduktion nicht nur eine Technik, sondern die bewusste Entscheidung für das Wesentliche ist. Mit diesen Werken möchte ich die Menschen dazu inspirieren, sich wieder mehr zu erden, eins mit sich und der Natur zu sein, um wieder mehr Stabilität, Ruhe und Gelassenheit zu finden.

Shadow on the Wall - 100x140x4 cm

Was ist die interessanteste Interpretation, die Sie von Ihrer Arbeit gehört haben?

Ein Besucher einer Vernissage meinte, in einem Bild „den Weg der Aborigines“ zu sehen. Und tatsächlich sind die Aborigines ein Volk, das im Einklang mit der Natur lebt. Das hat mich damals sehr nachdenklich gemacht, aber auch überrascht. Denn dieses Bild – wie fast alle meiner Bilder - entstehen intuitiv aus mir heraus, sind nicht gewollt oder geplant. Auch das hat mich in meiner Entwicklung als Künstlerin stark geprägt.

"Mit meinen Werken möchte ich die Menschen dazu inspirieren, sich wieder mehr zu Erden, eins zu sein mit sich und der Natur, um wieder mehr Stabilität, Ruhe sowie physischen als auch psychischen Ausgleich zu finden."

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration für Ihre Arbeiten?

Die Natur ist mein größtes Vorbild. In ihr finde ich alle Antworten, sie findet für alles Lösungen, regeneriert sich immer wieder selbst und beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Seit meiner Diagnose gehe ich sehr viel achtsamer und bewusster durchs Leben. Wenn man durchs Leben rauscht, übersieht man so vieles und verpasst das Beste und eigentlich Wichtige.

(Foto: Caro Simon)

Was ist das Beste daran, Künstler zu sein?

Die absolute Freiheit, das zu tun, was ich wirklich liebe. Keine festen Regeln, keine Vorgaben und keine Kontrolle. Du musst dich fallen lassen können, deiner Intuition vertrauen. Die Kunst gibt mir Mut und Kraft. Meinen Optimismus und meinen Lebenswillen habe ich ihr zu verdanken. Weder verarbeite ich irgendetwas Negatives, noch arbeite ich mein Leben mit der Kunst auf. Sie gibt mir Energie, und diese gebe ich an meine Werke und den Betrachter weiter.

Cosmic Dust - 100x140x4 cm

Können Sie Ihre Techniken und Ihren künstlerischen Schaffensprozess beschreiben?

Ich experimentiere mit Farben, Spachtelmasse, Sanden, Stoffen und manchmal auch mit Erde. Der Weg ist das Ziel. Meinen heutigen Kunststil verdanke ich auch meinen umfangreichen Kenntnissen im Bereich Interieur Design und meiner Vorliebe zu weißer Kleidung. Meine Bilder zeichnen sich durch minimalistische Ästhetik aus, so gebe ich ihnen die Chance, das Wesentliche sichtbar zu machen.

(Foto: Caro Simon)

Was war Ihr überraschendster Moment ihrer bisherigen Kunstkarriere?

Dass man, wenn man wirklich an eine Sache glaubt, alles schaffen kann. Früher war ich von Zweifeln getriggert. Das hat mich oft ausgebremst. Aber heute weiß ich: Du kannst jeden einzelnen Tag etwas dafür tun, zu dem Menschen zu werden, der du sein möchtest, und das Leben gestalten, dass du leben möchtest. Nur dann kannst du dein volles Potenzial entfalten. Das Leben ist eine wunderbare Reise – die man genießen und zelebrieren sollte.

Welche Anschauung haben Sie auf unsere Welt und ihre Gesellschaft?

Die heutige Zeit ist sehr schnelllebig! Wir werden ständig mit visuellen Eindrücken überladen: mit negative Nachrichten, Internet, Social Media usw. Diese Reizüberflutung kann auf Dauer krank machen, weil wir uns selbst darin verlieren. Ich brauche die Stille und Auszeiten von diesem Chaos, um meine innere Stimme wieder hören zu können.

Reminiszenz - 100x150x4 cm

Welcher Aspekt des kreativen Prozesses gefällt Ihnen am besten?

Mitunter ist es die Zufälligkeit des Ergebnisses. Die Fülle an Möglichkeiten, die sich mir offenbaren. Das schöne Gefühl etwas mit meinen Händen zu schaffen. Manchmal ist es wie Meditation – ruhig und eher sinnlich, und dann wieder dynamisch und kraftvoll.

(Foto: Caro Simon)

Was sind Ihre nächsten Projekte, Ideen und Ausstellungen? Wo kann man Sie und Ihre Kunst zeitnah sehen?

Ich sprudele nur so vor neuen Ideen und habe bereits konkrete Pläne im Kopf. Ich werde Serien aus Bildern mit einem festen Thema konkretisieren. Vielleicht gibt es auch mal wieder Editionen. Im Herbst diesen Jahres halte ich Vorträge über meine Kunst und meinen Weg dorthin. Meine Werke können bei exklusiven Einrichtern in Deutschland und in sehr guten Hotels und Restaurants auf Mallorca angesehen werden. Konkrete Projekte und Ausstellungstermine finden sie jederzeit auf meiner Website oder auf Instagram.

Weitere Informationen zur Künstlerin Christine Schneider finden Sie unter:

www.christineschneider.online

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