Sara Schubert verwandelt flüchtige Momente der Natur in kraftvolle, vielschichtige Kunstwerke, die zum Innehalten einladen. Mit einem besonderen Gespür für Licht, Struktur und Vergänglichkeit erschafft sie Arbeiten, die weit über das Sichtbare hinausgehen. Ihre Werke öffnen einen ruhigen Raum der Wahrnehmung und erinnern daran, wie tief unscheinbare Details berühren können.

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Wann wussten Sie, dass Sie Künstler werden wollen?

Ich wusste es, als mir bewusst wurde, dass mich das Beobachten von Natur und ihren vergänglichen Details mehr bewegt als alles andere. Das Bedürfnis, diese Feinheiten festzuhalten und sichtbar zu machen, wurde so stark, dass es irgendwann gar keine Alternative mehr gab. Kunst ist für mich der präziseste Weg, meine Wahrnehmung zu teilen.

Welcher ist Ihr noch lebender, Lieblingskünstler?

Olafur Eliasson inspiriert mich besonders durch seine Fähigkeit, natürliche Phänomene auf eine völlig neue, bewusste Weise erlebbar zu machen. In seinen Licht- und Naturinstallationen zeigt er, wie eng wir mit unserer Umgebung verbunden sind – und wie sehr unsere Wahrnehmung von Licht, Raum und Atmosphäre unser inneres Erleben beeinflusst. Was mich an seiner Arbeit fasziniert, ist seine Klarheit: Er braucht keine Fantasieelemente, um Staunen zu erzeugen. Er nutzt das, was bereits existiert – Nebel, Wasser, Sonne, Reflexionen – und macht damit sichtbar, wie schön und verletzlich unsere Welt ist. Diese ruhige, achtsame Art des Blicks erinnert mich daran, warum ich selbst so gern die Details der Natur festhalte: Weil echte Momente oft die kraftvollsten sind.

„Ich male nicht, um Neues zu erfinden – ich male, um das Sichtbare wieder spürbar zu machen.“

Was möchten Sie mit Ihrer Arbeit beim Betrachter hervorrufen?

Ich möchte beim Betrachter eine Sensibilität für die feinen, oft übersehenen Details der Natur wecken. Meine Arbeiten sollen dazu einladen, langsamer hinzuschauen und die Schönheit in Momenten zu entdecken, die vergänglich oder scheinbar unscheinbar sind. Wenn jemand durch meine Bilder innehält und etwas wahrnimmt, das ihm im Alltag entgeht, dann habe ich genau das erreicht, was ich mit meiner Kunst möchte.



Was ist die interessanteste Interpretation, die Sie von Ihrer Arbeit gehört haben?

Eine der eindrücklichsten Erfahrungen war ein Käufer, der mein Werk „Symphonie der Blumen“ erst Tage nach dem ersten Besuch in einer Galerie gekauft hat. Er sagte, das Bild hätte ihn gedanklich nicht mehr losgelassen – ein Gefühl, das er nicht genau beschreiben konnte, das aber so stark war, dass er zurückkommen und kaufen musste. Diese Interpretation, dass meine Werke im Inneren weiterklingen und jemanden regelrecht fesselt, war für mich eine der spannendsten Rückmeldungen.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration für Ihre Arbeiten?

Die Natur ist eine ständige Quelle meiner Inspiration. Man nimmt sich wirklich selten Zeit genau hinzusehen. Das inspiriert mich am meisten. Durch meine Kunst das unsichtbare, oft unscheinbare, sichtbar zu machen. Dadurch entstehen bewusst großformatige Werke, um den Betrachter zu zeigen, was ich sehe.



Was ist das Beste daran Künstler zu sein?

Wenn jemand durch meine Bilder innehält und etwas wahrnimmt, das ihm im Alltag entgeht, dann habe ich genau das erreicht, was ich mit meiner Kunst erreichen möchte und das spornt mich jeden Tag aufs Neue an, mehr Menschen durch meine Kunst zu erreichen meine Botschaft der Gesellschaft zu offenbaren.

Waves - 100cm

Können Sie Ihre Techniken und Ihren künstlerischen Schaffensprozess beschreiben?


Meine Technik basiert auf dem Prinzip der Schichtung – sowohl im materiellen als auch im inhaltlichen Sinne. Ich arbeite mit Strukturpaste, um Tiefe und Haptik zu erzeugen. Die Verwendung von stabilisiertem Moos schafft eine unverwechselbare Ästhetik, die sich deutlich von klassischen Maltechniken abhebt. Jede Schicht erzählt einen Teil der Geschichte, manchmal sichtbar, manchmal verborgen. Der Prozess ist intuitiv, aber nicht zufällig – ich lasse Raum für Zufall, aber jede Spur hat ihre Berechtigung.


Was war Ihr überraschendster Moment ihrer bisherigen Kunstkarriere?

Der überraschendste Moment meiner bisherigen Kunstkarriere war der Augenblick, in dem mir bewusst wurde, wie tief meine Bilder andere Menschen berühren können. Ich hatte nie erwartet, dass die stillen Details der Natur – Licht, Vergänglichkeit und feine Strukturen – so starke Reaktionen auslösen. Besonders bewegend war, dass Menschen mir erzählten, meine Werke hätten sie zum Innehalten gebracht oder ihnen ein Gefühl von Ruhe geschenkt. Dieser Moment hat mir gezeigt, dass meine Kunst nicht nur etwas darstellt, sondern etwas auslöst. Es war das erste Mal, dass ich wirklich verstand, wie kraftvoll ein Bild sein kann, wenn es aus echtem Beobachten und ehrlicher Absicht entsteht.

Blue water - 100x100cm

Welche Anschauung haben Sie auf unsere Welt und ihre Gesellschaft?

Meine Kunst spiegelt meine Überzeugung wider, dass unsere Welt voller Schönheit ist, die wir im Alltag oft übersehen. In einer Gesellschaft, die ständig schneller wird, möchte ich mit meinen Bildern einen Moment der Ruhe schaffen – einen Blick auf die Natur, der zum Innehalten einlädt. Ich glaube, dass Bewusstsein und Wertschätzung für das, was uns umgibt, der Schlüssel zu einem respektvollen Umgang mit unserer Umwelt sind. Deshalb konzentriere ich mich auf reale Details, vergängliche Momente und natürliche Strukturen. Sie erinnern daran, wie kostbar und zugleich verletzlich unsere Welt ist.



Welcher Aspekt des kreativen Prozesses gefällt Ihnen am besten?

Am meisten liebe ich an meinem kreativen Prozess den Moment, in dem aus einer ersten Idee langsam ein fühlbares Bild entsteht. Wenn Farben, Licht und die feinen Details der Natur sich Schritt für Schritt zu einem harmonischen Ganzen verbinden, entsteht für mich eine besondere Form der Ruhe und Klarheit. Genau dieser Übergang – von der Beobachtung zur Umsetzung – fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Während des Malens vertiefe ich mich in natürliche Nuancen, und gerade diese meditative Konzentration ist der Teil des Prozesses, der mir am meisten Freude bereitet. Es ist ein stiller, aber intensiver Moment, in dem Kunst nicht nur entsteht - sondern spürbar wird.

Echo of forest - 60x60cm

Was sind Ihre nächsten Projekte, Ideen und Ausstellungen. Wo kann man Sie und Ihre Kunst zeitnah sehen?



Ich arbeite an Kooperationen mit Restaurants und Hotels, um meine Kunst dort zu präsentieren, wo sie gesehen und erlebt wird. Ich glaube daran, dass Kunst gerade in solchen Räumen eine besondere Wirkung entfalten kann – sie schafft Atmosphäre, regt zum Nachdenken an und bringt Themen wie Nachhaltigkeit in einen neuen Kontext. Zurzeit kann man 20 meiner Werke in einem Hotel auf Sylt erleben. Doch es sind noch viele neue Projekte gerade in Planung. Es bleibt sehr spannend. Über meine aktuellen Projekte kann man auf meiner Webseite www.saraschubert.com nachlesen.

Fotos: Marek Audirsch

Weitere Informationen unter:

www.saraschubert.com

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